Das kühle Klima in Deutschland, welches selbst in heißeren Jahrgängen eine frische Säure in den Trauben zurücklässt, hat dazu geführt, dass Deutschland als europäisches Weißweinland schlechthin gilt. - Die deutschen Weinberge sind zu 75 Prozent mit weißen Rebsorten bestockt.
Außerdem besitzen deutsche Weißweine eine lange Tradition: So war der Wein, der bei der offiziellen Eröffnung des Suez-Kanals im Jahr 1869 ausgeschenkt wurde, ein Riesling aus Deutschland. Zu jener Zeit waren die deutschen Weißweine in aller Welt gefragt. In den Königshäusern wurden Weißweine von Mosel und Rhein serviert. Besonders die Engländer mochten den "Hock", wie der deutsche Weißwein von ihnen als abfällige Verkürzung des Namens Hochheim genannt wurde. Den Briten ist es auch zu verdanken, dass die französischen Truppen gegen Ende des Zweiten Weltkrieges die Weinberge des Rheingaus nicht zerstörten.
Das Weingesetz von 1971 sorgte letztendlich dafür, dass der gute Ruf der deutschen Weine in der Welt verklang. Dieses Gesetz ließ es zu, dass auch Weine minderer Qualität mit Etiketten angesehener Namen versehen werden durften. So konnten sämtliche Weine der Mittelmosel beispielsweise mit dem Namen Bergkastel angeboten werden. Eine Unterscheidung zwischen Qualitätswein und minderwertigem Massenprodukt wurde damit für die Konsumenten so gut wie unmöglich.
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